Rückblick auf die Geschichte der Stahringer Fasnet

(Wandbild des Radolfzeller Künstlers Lothar Rohrer, 1982 in die „Zunftstube“ gemalt)
 

gaaanz früher …
Fasnet wurde von unseren Vorfahren sicher schon in uralter Zeit gemacht, dokumentiert ist aber leider nichts davon …

19. Jahrhundert

In Zeitungsanzeigen findet man einige Male Ankündigungen von närrischen Tanzveranstaltungen in den Wirtschaften.

1904
Erster Narrenbaum in Stahringen

1930
„Große Fasnet“ mit Riesenumzug und allen Schikanen
(Initiiert und organisiert vom sogenannten „Zimmer Sepp“, der dann aber wegen irgendwelcher Streitigkeiten gar nicht an der Fasnet teilnimmt und das Dorf an diesem Tag meidet …)

1930er Jahre
Schnitzwieber gehen um und man kleppert auch fleißig, vor allem die Kinder.

1937


Erstes Narrenblatt (4 Seiten!) von Eugen und Richard Drexler

1950er Jahre
Bälle und Bunte Abende finden im Gasthaus „Bahnhof“ statt (heute in dem Gebäude: „Pflegeheim Waldblick“), veranstaltet von der damals sehr rührigen „Kolpingsfamilie“.

Es erscheinen in loser Folge auch einige Narrenblätter unter der Leitung von Eugen Drexler.

Franz Koch, Willi Drexler und Ernst Fischer sind für den Narrenbaum zuständig.

Es gibt auch Narreneltern und Franz Koch macht für sie den Kutscher, damals noch mit echten Pferden.

1959
Die Fasnachter beschließen, den bescheidenen Überschuss von 55,05 DM nicht wie bisher üblich am Ende der Fasnet zu versaufen, sondern eine Kasse anzulegen.

Kassier wird Peter Zimmermann und Eugen Drexler dann Vorstand der neuen

„Schoofwäschergilde“.

Die Gilde ist ein lockerer, nicht eingetragener Verein.

(Es gibt einen Vorstand, einen Kassier und den „Elferrat„, dem aber nicht genau elf, sondern einfach alle engagierten Narren angehören. Diese organisieren und gestalten in der Folge die Stahringer Fasnetaktivitäten)

1962
Für den leider frühzeitig verstorbenen Eugen Drexler übernimmt nach einer dadurch erzwungenen kurzen Fasnetpause Heinz Veser das Amt des Vorstands und übt es dann 28 Jahre lang aus.

1964

Das erste „Preiskleppern“ für Kinder findet statt, und zwar auf einem Traktoranhänger im „Ochsenhof“.

(Von links: Rainer Zimmermann, Hildegund Hirling (heute Laube), ???, Monika Zick (später Vogel), Peter Merk, Walter Fischer, Narrenbolizei Sepp Gutjahr)

Die „Narrensuppe“ wird eingeführt, zunächst nur für die Schulkinder und die aktiven Narren selbst. Der Rest wird dann direkt vom „Suppenwagen“ aus verkauft.

Der Eintopf gewinnt in den Folgejahren schnell eine große Beliebtheit und die Narren bekochen am Schmutzige Dunschtig bald das ganze Dorf!

Der Suppenwagen in den 60er Jahren:
Obersuppenkoch ist Ulrich Hügle, seine Assistentinnen sind seine Tochter Helga Fischer (heute Restle) und Rita (immer noch) Koch.
Die Kinder auf dem Wagen sind Hänsi Fischer und der als Jugendlicher verstorbene Thomas Koch.

Der Suppenwagen wurde in den 60ern und 70ern meist vom M.A.N vom Merken Fritz gezogen.

Das wird er auch heute wieder!

(Das Schnitzwieb ist übrigens Erich Hirling.)

1965


Johann Sauter, Fritz Merk und Ottmar und Mela Hirling bringen nach mehrjähriger Pause wieder ein „Stahringer Narrenblatt“ heraus.

Seit diesem Jahr erscheint es bis heute in ununterbrochener Reihenfolge.

1966
Jetzt heißt auch das Narrenblatt „Schoofwäscher“.

1971
Die „motorisierte Narrenscheese“ (ein zum „Oldtimer“ umgebauter VW-Käfer) löst Franz Kochs Pferde ab.

1974
Vereinsgründung der

„Schoofwäscherzunft e.V.“

Heinz Veser wird „Zunftmeister“, Peter Zimmermann „Säckelmeister“, Johann Sauter „Schreiberling“ und Udo Beil „2. Zunftmeister“. Aus dem bisherigen „Elferrat“ wird der „Zunftrat“.

Man beschließt die Gruppen „Wäscher“, „Wäscherinnen“, „Schäfle“ und „Holzer“ einzurichten und mit entsprechenden Häsern auszustatten.

Das geht aber nicht von heute auf morgen …


1975

Ein Schäfer mit Holzmaske (Ortsvorsteher Günter Birr) läuft im Fasnetsunntigs-Umzug mit.

Gründung des Fanfarenzuges durch Heinz Glöggl und Heinz Vogel

1976
Die Beschaffung von Häs und Masken ist abgeschlossen und die neue Zunft präsentiert sich beim Narrentreffen in Steißlingen zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Dabei ist auch die neu gebaute „Gelte“. (ehemaliger VW-Bus)

Zum ersten Mal findet in der Gymnastikhalle wieder ein „Bunter Abend“ statt, noch ohne Bühne und Lautsprecher.

1977
Beim Narrentreffen in Nenzingen wird die „Schoofwäscherzunft“ offiziell in die Narrenvereinigung „Hegau-Bodensee“ aufgenommen.

Dabei tritt die Klepperlegruppe unter der Leitung von Rainer Zimmermann zum ersten Mal auf.

Als unsere Paten fungieren die „Froschen“ aus Radolfzell, mit denen wir seitdem eine rege Freundschaft pflegen.

1980
Nachdem der Suppenwagen infolge der immer größeren Nachfrage nicht mehr das ganze Dorf rechtzeitig beliefern konnte, wird zusätzlich eine „stationäre Suppenküche“ am „alten Spritzenhaus“ eingerichtet.

Der Suppenwagen fährt nur noch durch die Hauptstraße, in den Nebenstraßen wird die Suppe durch die Schnitzwieber (jetzt zum Teil auch „Suppenwieber“ genannt) verkauft. Wenige Jahre später wird der Suppenwagen dann ganz aufgegeben.

Die Suppe wird nun im ganzen Dorf von den Schnitzwiebern verkauft.

1981
Wegen Abriss der Gymnastikhalle kann keine Saalfasnet stattfinden.

Die Zunft bekommt von der Gemeinde im Rathaus zwei Räume zur Verfügung gestellt, die dann im folgenden Jahr mit viel Einsatz und Eigenleistung zur „Zunftstube“ ausgebaut werden.

1982
Die „Homburghalle“ ist fertig und die Zunftabende finden seither je 2 mal vor gut gelauntem närrischem Publikum statt.

1987
Ein Teil der „alten Garde“ (Johann Sauter und Peter Zimmermann) gibt ihre Ämter in jüngere Hände, Heinz Veser bleibt noch 4 Jahre Zunftmeister.

1989
Der Bedarf an Narrensuppe im größer gewordenen Dorf (9 Kessel im Jahr 1988 !!!) ließ den Fasnetspaß für die Suppenköche allmählich immer mehr zu „echter Arbeit“ werden.

So beschließt der Zunftrat, das Ganze wieder auf den Stand von 1964 zu reduzieren.

(Ein einziger Kessel Suppe für die Kinder in Schule und Kindergarten und für die aktiven Narren, fortan gekocht von Helga Restle in deren Garage)

1991
Wegen des Golfkriegs fällt die offizielle Fasnet aus.

Ewald Weber wird Zunftmeister.

1993
Die Schoofwäscherzunft richtet ein Narrentreffen mit ca. 3000 Narren und 10 000 Zuschauern aus.

1999
40 Jahre „Schoofwäscher“ –
25 Jahre „Schoofwäscherzunft“

2001
Josef Klett wird neuer Zunftmeister.

2002
Die Zunftstube wird mit viel Eigeneinsatz renoviert und vergrößert.

Aus einem kleineren Raum mit Abstellkammer wird ein einziger großer Raum. In die Küche wird das nicht mehr benötigte Mobiliar der Homburghalle eingebaut. Aus dem ehemaligen „Bad“ entsteht eine vorbildliche Toilette.

2003
Eine neue Gruppe kommt hinzu: Die „Schwarze Schoof“.

Diese soll Jugendlichen zwischen „Schäfle“ und den „Erwachsenen-Gruppen“ etwas bieten und die „Schwarze Schoof“ stellen sich als „wilder Haufen“ dar.

Nach über 20 Jahren fährt auch der Suppenwagen wieder!

(Unter der Leitung von Reinhard Sauter und Hansjürgen Fischer, dem Enkel des allerersten Chefkochs Ulrich Hügle)

Auch der Original Traktor von 1964 (der alte M.A.N vom „Merken Fritz“) ist wieder dabei!

Rainer Zimmermann erstellt eine Webseite für die Zunft und seither sind die Schoofwäscher auch im Internet vertreten.

2004
Die Holzer feiern am Fasnetsunntig mit den Stahringer Narren und auch mit vielen Gästen aus den umliegenden Gemeinden das Jubiläum

„100 Jahre Narrenbaum in Stahringen“.

2007
Gegenüber der bisherigen Zunftstube wird im Lauf des Herbstes ein weiterer großer Raum mit viel Eigeninitiative ausgebaut.

Er erhält den Namen „Schoofstall“ und soll für Veranstaltungen (z.B. Narrenversammlung am 11.11.), als Proberaum für den Fanfarenzug und als Lager dienen.

2009
Zum Jubiläum

50 Jahre Schoofwäscher – 35 Jahre Schoofwäscherzunft

richtet die Zunft erfolgreich das Seenarrentreffen aus, mit Nachtumzug, Jubiläumsabend und großem Seenarrenumzug.

Anlässlich des Jubiläums erscheint auch die „Chronik“, erstellt von Rainer Zimmermann.

Unter dem Titel „Eine Zunft stellt sich vor“ gibt es darin viele Informationen zu den Gruppen und Figuren, der Organisation und insbesondere der Geschichte der Zunft, über den Ablauf der hiesigen Fasnet und über Stahringer Spezialitäten wie Klepperle und Narrensuppe. Auf den vielen Bildern kann sich so mancher beim Ausüben der närrischen Bräuche wiederfinden.

2015
Sepp Klett gibt nach 14 Jahren sein Amt aus gesundheitlichen Gründen ab und Reinhard Sauter wird Zunftmeister.

2021
Wegen der Pandemie „Coronafällt die Fasnet bis auf wenige Aktivitäten am Schmutzigen Dunschtig aus, da Menschenansammlungen unbedingt vermieden werden sollen.

Es gibt lediglich ein kleines Wecken am Morgen, das Narrenblatt und die Narrensuppe werden auf Bestellung ins Haus geliefert.

Alle offiziellen sonstigen von der Zunft organisierten Aktionen sind untersagt.

Dafür haben die Stahringer Bürger das ganze Dorf närrisch geschmückt, zum Beispiel mit zu Narrenbäumen umfunktionierten Christbäumen.